Selenskyj: Russische Frontverluste übersteigen dieses Jahr deutlich den Nachschub

Eine unerbittliche Gleichung des Krieges

Eine moderne Armee über einen langen Konflikt hinweg kampfbereit zu halten, folgt einer gnadenlosen Logik. Jede militärische Strategie stützt sich letztlich auf nüchterne Zahlen: verfügbare Manpower, Rekrutierungserfolge und die Fähigkeit, Gefallene zu ersetzen. Stimmen diese Berechnungen nicht mehr überein, steht die Militärführung vor nahezu unlösbaren Entscheidungen.

Verluste an der Front steigen rasant

Der ukrainischen Führung zufolge verliert Moskau seine Soldaten derzeit weit schneller, als es sie ersetzen kann. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, dass der Kreml seit Jahresbeginn rund 221.000 neue Soldaten in seine Streitkräfte einberufen hat.

Kiewer Schätzungen zufolge belaufen sich die russischen Verluste im selben Zeitraum jedoch auf etwa 225.500 Mann. Hinter dieser erschreckenden Zahl verbergen sich 131.000 Gefallene und knapp 93.000 Verwundete.

In seiner Wochenendansprache betonte Selenskyj, dass eine völlig unzureichende medizinische Versorgung an der Front maßgeblich zur hohen Opferzahl beiträgt. Ein Großteil der Verwundungen endet tödlich, weil die sanitäre Unterstützung auf russischer Seite nach seinen Angaben in einem katastrophalen Zustand ist.

Die russische Führung scheint sich daher auf weitaus umfangreichere Einberufungen vorzubereiten. Obwohl die Behörden ihre wahren Absichten hinter beruhigenden Formulierungen zu verbergen suchen, deutet alles darauf hin, dass bald weitere Tausende Wehrpflichtige in das Kriegsgebiet geschickt werden.

Rekrutierungspläne brechen ein

Das Interesse an der Unterzeichnung eines Militärvertrags in Russland lässt spürbar nach. Geheimdienstanalysen zeigen, dass im ersten Quartal dieses Jahres rund 70.500 Vertragssoldaten in die Armee eingetreten sind. Das sind ganze 30.000 weniger als von der Militärführung offiziell geplant.

Im gleichen Zeitraum des Vorjahres gelang es der Armee noch, etwa 90.000 Verträge abzuschließen. Der Rückgang bei den Personalressourcen wird zwangsläufig zu einer deutlichen Ausweitung der Wehrpflicht in den kommenden Monaten führen.

Der ukrainische Geheimdienst erwartet daher, dass der Mangel an Freiwilligen in weitere Zwangseinberufungen münden wird. Es liegen klare Hinweise vor, dass Russland für den Herbst eine neue und sehr umfangreiche Mobilisierungswelle plant. Der aktuelle Schwund an der Front übersteigt nämlich deutlich die Fähigkeit, neue Reserven aufzubauen.

Ausländische Verstärkung wird angefordert

Um die Lücken in den eigenen Reihen zu schließen, wendet sich Moskau Berichten zufolge an seine ausländischen Verbündeten. Es gibt Hinweise darauf, dass Russland den Einsatz von weiteren 30.000 nordkoreanischen Militärangehörigen plant. Vorbereitungen für deren massenhafte Aufnahme laufen bereits seit Frühsommer in der Region Woronesch.

Nach fast viereinhalb Jahren ununterbrochener Kämpfe sind die menschlichen Gesamtverluste schier unvorstellbar. Militärische Fachschätzungen deuten darauf hin, dass sich die Gesamtzahl der ausgefallenen russischen Soldaten auf bis zu 1,4 Millionen Personen belaufen könnte.

Auf der Grundlage detaillierter Auswertungen öffentlicher Einträge, Friedhofsregister und veröffentlichter Nachrufe konnten zudem mehr als 233.000 gefallene Angehörige der russischen Armee namentlich bestätigt werden. Diese Daten zeigen unmissverständlich, dass der Zermürbungskrieg einen extremen Tribut fordert, den die Behörden politisch wie personell immer schwerer tragen können.

Author

  • Markus Steiner ist ein österreichischer Autor mit Interesse an Haushalt, Garten und cleveren Alltagstipps. Er teilt nützliche Ratschläge und inspirierende Ideen für ein komfortables Zuhause.

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