Der Handelsstreit zwischen zwei langjährigen Verbündeten spitzt sich immer weiter zu. Donald Trump schlug zuletzt sogar vor, den kanadischen Ontario-See in amerikanisches Territorium umzubenennen. Kanadas Premierminister Mark Carney reagierte darauf mit ungewohnt scharfen Worten in Richtung Washington.
Die Spannungen zwischen beiden Ländern eskalierten spürbar, nachdem amerikanische Regierungsvertreter begannen, Ottawa auf sozialen Netzwerken zu verspotten. In einer öffentlichen Erklärung forderte der kanadische Regierungschef das Weiße Haus unmissverständlich auf: Schluss mit den Memes, Schluss mit den boshaften Sticheleien und Schluss mit der aufgesetzten Härte. Nur so, betonte er, könne man zu ernsthaften Handelsverhandlungen zurückfinden.
Diese deutlichen Worte folgen auf den vollständigen Zusammenbruch der Wirtschaftsgespräche Ende August. Seitdem verhöhnen Vertreter der Trump-Regierung ihren nördlichen Nachbarn in regelmäßigen Abständen. Neben der Umbenennung des Ontariosees in „Lake America“ warnten sie auch, Kanada könne einen Wirtschaftskampf gegen seinen weit größeren und mächtigeren Rivalen schlicht nicht gewinnen.
Besonders viel Aufmerksamkeit erregte ein Beitrag von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, der ein Foto zweier kanadischer Kadettinnen mit dem Kommentar teilte, das sei „die Realität“. Carney verurteilte dieses Verhalten sofort und bezeichnete es als weit unter dem Niveau, das man von Amtsträgern erwarten dürfe.
Ein Wirtschaftsduell mit hohem Einsatz
Washington zeigt jedoch keinerlei Anzeichen, zurückzurudern — im Gegenteil, die Rhetorik wird schärfer.
US-Finanzminister Scott Bessent schlug in einem jüngsten Fernsehauftritt zurück. Er behauptete, der kanadische Premier sei von amerikanischen Vertretern regelrecht „verbal zurechtgewiesen“ worden. Dazu fügte er eine spitze Bemerkung hinzu: Immerhin sei es Carney selbst gewesen, der als Erster von einem Kriegszustand gesprochen habe.
Trotz des enormen Drucks bleibt der kanadische Premierminister standhaft. In seiner Rede machte er deutlich, dass ein Nachgeben gegenüber den weitreichenden amerikanischen Forderungen für die heimische Wirtschaft einer Katastrophe gleichkäme. Es würde dazu führen, dass kanadische Unternehmen im eigenen Land nach und nach verdrängt und vom Markt gefegt würden.
Der Regierungschef wehrte sich auch entschieden gegen jeden Versuch, die globalen Handelsbeziehungen seines Landes einzuschränken. Er stellte klar: Als vollständig souveräner Staat werde Kanada Freihandelsabkommen ausschließlich mit jenen Partnern abschließen, die es selbst frei wählt.
Eine neue politische Realität zeichnet sich ab
Kanadische Arbeitnehmer und die Industrie beginnen sich derweil auf eine langwierige und kräftezehrende Phase wirtschaftlicher Reibungen einzustellen.
Bea Bruske, die Vorsitzende des Kanadischen Arbeitskongresses, mahnte Gewerkschaftsführer öffentlich, bloß nicht auf eine schnelle Rückkehr zur alten Normalität zu hoffen — und gab damit auch die Bedenken des Premiers wieder. Die angespannten Beziehungen zu den Vereinigten Staaten beschrieb sie als einen völlig neuen Normalzustand, an den sich alle erst gewöhnen müssten.
Mark Carneys entschlossene Haltung auf der internationalen Bühne wird durch seinen wachsenden politischen Rückhalt im Inland gestärkt. Seine Partei errang kürzlich einen wichtigen Sieg bei drei entscheidenden Nachwahlen. Dieser Erfolg festigt seine parlamentarische Stellung erheblich — ein besonders wichtiger Faktor in einer Zeit, in der harte Vergeltungszölle in Kraft treten und das Gespenst einer wirtschaftlichen Annexe jenseits der Grenze weiter schwelt.










