Große Versprechen, ernüchternde Realität
Russland verkündet vollmundig den Aufbau ehrgeiziger Kolonisierungsprojekte auf dem Mond und dem Mars. Diese hochfliegenden Pläne stehen jedoch in einem krassen Widerspruch zu einer Reihe historischer Fehlschläge und gravierender Verzögerungen im eigenen Raumfahrtprogramm.
Am 26. August 2026 trat Dmitri Bakanov, der Chef der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, mit einer durchaus überraschenden Ankündigung an die Öffentlichkeit. Er erklärte, dass die Russische Föderation dauerhaft bewohnte Stützpunkte auf der Mondoberfläche und anschließend auch auf dem Roten Planeten errichten wolle.
Vertreter der Raumfahrtforschung gehen sogar noch weiter und betonen, dass bereits die heutige Generation voll funktionsfähige außerirdische Stationen mit komplexen Lebenserhaltungssystemen erleben könnte.
Bakanov betrachtet die Mondoberfläche nicht bloß als Plattform für wissenschaftliche Forschung, sondern sieht sie als ein entscheidendes Sicherheitsnetz für die Menschheit. „Die Menschheit sollte stets eine Ausweichmöglichkeit haben – einen Ort, an den sie sich im äußersten Notfall zurückziehen kann. Das ist ohne die Erschließung des Weltraums schlichtweg nicht möglich“, erläuterte der Behördenchef.
Als ersten logischen Schritt in dieser Weltraumexpansion sieht er unseren natürlichen Erdtrabanten. Die aktuelle russische Vision sieht vor, dass bis zum Jahr 2036 ein wegweisender Kernreaktor auf dem Mond in Betrieb genommen wird. Diesen strategischen Plan hatte Vize-Premierminister Denis Manturow Mitte 2025 Präsident Wladimir Putin persönlich vorgestellt.
Wachsende technische Probleme und endlose Verzögerungen
Trotz dieser großspurigen Visionen kämpft die russische Raumfahrtindustrie mit ernsthaften Betriebsproblemen und einem ständigen Umschreiben der Zeitpläne. Ein schwerer Rückschlag kam im Jahr 2023, als ein viel beachteter Mondlandeversuch kläglich scheiterte.
Die Sonde Luna-25 zerschellte damals auf der Mondoberfläche und brachte das bis dahin vielversprechende Tempo des gesamten Programms nahezu vollständig zum Erliegen.
Schwerwiegende technologische Hürden verschieben wichtige Meilensteine immer weiter in die Zukunft. Im April 2026 musste der Akademievertreter Sergei Tschernyschew eine weitere erhebliche Verschiebung bestätigen. Der nächste unbemannte Mondflug wurde damit vom ursprünglich geplanten Jahr 2027 auf das Jahr 2028 verlegt.
Der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Weltraumforschung, Lew Selenyi, gab zudem offen die harte Realität zu. Er erklärte, dass Moskau für das kommende Jahrzehnt tatsächlich keine bemannten Missionen in den tiefen Weltraum einplane. Die Krisenlage wurde zusätzlich verschärft durch einen schweren Unfall auf der Startrampe des Kosmodroms Baikonur, der eine wichtige Versorgungsmission des Raumschiffs Progress MS-33 erheblich komplizierte.
Historischer Einbruch bei erfolgreichen Raketenstarts
Die Startaktivität des gesamten russischen Raumfahrtsektors ist auf Werte gefallen, die Experten wohl zuletzt aus den Anfängen der Weltraumeroberung kennen. Anfang 2026 räumten sogar einige inländische Funktionäre öffentlich ein, was lange spekuliert worden war – die Russische Föderation hat ihren historisch privilegierten Status unter den führenden Weltraummächten verloren.
Dieser steile Leistungsabfall belegen die offiziellen Jahresstatistiken eindrücklich. Mit lediglich 17 Orbitalstartversuchen im Jahr 2025 – exakt dieselbe Zahl wie im Jahr 2024 – teilt sich Roskosmos beschämenderweise denselben Rang mit Neuseeland.
Im Vergleich mit den globalen Spitzenreitern wirkt diese Bilanz noch düsterer. Die russische Startleistung liegt fünfmal hinter dem chinesischen Programm zurück und sogar zehnmal hinter den Vereinigten Staaten.
Sollten keine völlig neuen Finanzierungsmodelle gefunden oder rasche technologische Durchbrüche erzielt werden, wird die Kluft zwischen den kühnen Kolonisierungsplänen und der tatsächlichen Kapazität für Nutzlastlieferungen in den Orbit weiter unaufhaltsam wachsen.
Strategische Partnerschaft mit der asiatischen Supermacht
Fachkreise sind sich sehr wohl bewusst, dass Moskaus ambitionierte Pläne zur dauerhaften Besiedlung fremder Welten heute in entscheidendem Maße von einer immer engeren Zusammenarbeit mit Peking abhängen. Im Mai 2026 einigten sich beide Mächte auf eine deutlich vertiefte Kooperation bei den größten Weltraumprojekten.
Die gemeinsamen Anstrengungen der asiatischen Partner konzentrieren sich vorrangig auf den Aufbau der Internationalen Mondforschungsstation, die detaillierte Erkundung des Mondes sowie auf künftige riskante Missionen, die tiefer in das Sonnensystem vordringen sollen.
Dieses neue Abkommen unterstreicht einmal mehr, dass jegliches russische Bestreben zur Rückkehr auf den Mond heute untrennbar mit einer breiteren internationalen Koalition verbunden ist. Dieser Trend ist umso ausgeprägter in einer Zeit, in der die eigene Raumfahrtbehörde im Inland mit immer häufigeren technischen Rückschlägen und Verzögerungen zu kämpfen hat.










