Wer nervt wirklich am meisten hinter dem Steuer?
Autofahren bedeutet täglich, mit unzähligen anderen Verkehrsteilnehmern zu interagieren. Schon der kleinste Fehler am Steuer kann blitzschnell eine Welle aus Frust und Anspannung auslösen.
Vergisst jemand zu blinken oder ist offensichtlich unaufmerksam, registrieren das die anderen Fahrer sofort. Manchmal reicht ein kurzer Moment der Unachtsamkeit – und die Geduld der übrigen Verkehrsteilnehmer ist schlicht am Ende.
Eine kürzlich durchgeführte Großstudie aus den Niederlanden hat nun sehr genau erfasst, welche schlechten Angewohnheiten Autofahrer besonders in den Wahnsinn treiben. Die erhobenen Daten zeigen außerdem: Männer und Frauen empfinden problematische Situationen im Verkehr ganz unterschiedlich.
Ein neuer Spitzenreiter auf dem Ärgerpodest
Das Ignorieren des Blinkers führte jahrelang die Ranglisten der nervigsten Fahrfehler an. Ältere Daten aus Skandinavien belegten zum Beispiel, dass für 54 Prozent der norwegischen Autofahrer das Nichtbenutzen des Blinkers der schlimmste Verstoß überhaupt war.
Die aktuelle niederländische Untersuchung mit 1.006 Teilnehmern sorgt nun jedoch für eine überraschende Wende. Den größten Ärger verursachen heute Fahrer, die keinen Sicherheitsabstand einhalten und regelrecht am Vordermann kleben. Das gaben 16,2 Prozent der Befragten an.
Dicht dahinter folgt mit 15,8 Prozent das Benutzen des Mobiltelefons während der Fahrt. Erst auf Platz drei landet mit 15,2 Prozent das früher dominierende Nichtblinken.
Die Statistiken zeigen zudem bemerkenswerte Unterschiede zwischen den Geschlechtern.
Für knapp 18 Prozent der Frauen ist das aggressive Auffahren auf ihr Fahrzeug das absolut unangenehmste Erlebnis im Straßenverkehr.
Männer sehen das etwas anders. Sie ärgern sich am stärksten über die Nutzung des Smartphones am Steuer (15,6 Prozent). Danach folgt bei ihnen das Nichtblinken (14,6 Prozent), und erst an dritter Stelle nennen sie das Nichteinhalten des Sicherheitsabstands (14,4 Prozent).
Großstädte kämpfen mit ihren ganz eigenen Problemen
Je nach Fahrtumgebung verschiebt sich das Bild erheblich. Wer in großen Ballungsräumen wie Amsterdam, Rotterdam oder Den Haag unterwegs ist, begegnet einer völlig anderen Realität.
Dort geben 15,5 Prozent der Autofahrer an, dass Radfahrer, die Verkehrsregeln missachten, ihren Blutdruck zuverlässig in die Höhe treiben.
Ein weiterer typischer Stressfaktor in der Stadt sind endlose Staus. Als Hauptquelle der Frustration nannten sie 7,8 Prozent der Stadtbewohner. In ländlicheren und ruhigeren Regionen wie Groningen, Friesland und Drenthe hingegen stören Verkehrsstaus nur 2,9 Prozent der Fahrer wirklich.
Experten für Verkehrsverhalten weisen darauf hin, dass die meisten dieser Ärgernisse einen gemeinsamen Nenner haben: Es geht vor allem um einen allgemeinen Mangel an Rücksichtnahme gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern.
Dabei wäre so wenig nötig. Ausreichend Abstand halten, das Handy weglegen und rechtzeitig blinken – das erfordert vom Fahrer kaum zusätzlichen Aufwand. Genau diese einfachen Gewohnheiten könnten jedoch dazu beitragen, dass Straßen deutlich sicherer und das Fahren insgesamt entspannter wird.










