Julihitze hat Besucherzahlen britischer Geschäfte spürbar gedrückt

Leere Innenstädte im Hochsommer

Sonnige Sommertage locken die Briten normalerweise nach draußen – doch extreme Hitze bewirkt genau das Gegenteil. Sobald die Temperaturen die 35-Grad-Marke überschreiten, ändert sich der Alltag schlagartig. Die Menschen suchen den Schatten und versuchen, die heißen Nachmittagsstunden irgendwie zu überstehen.

Die extremen Temperaturen des vergangenen Monats haben Kunden regelrecht aus den traditionellen Stadtzentren vertrieben – und zwar quer durch ganz Großbritannien. Analysedaten des britischen Einzelhandelsmarktes zeichnen ein eindeutiges Bild: Die Besucherzahlen in den wichtigsten Einkaufsstraßen sanken im Juli um 3,8 Prozent, nachdem es im Juni bereits einen noch deutlicheren Rückgang von 6,2 Prozent gegeben hatte.

Insgesamt sank die Zahl der Einkaufenden in allen Geschäftstypen im Jahresvergleich um 2,1 Prozent. Klassische Einkaufszentren litten ebenfalls darunter, allerdings verzeichneten Gewerbegebiete am Stadtrand ein Wachstum. Verbraucher bevorzugten Geschäfte mit bequemen Parkmöglichkeiten und vor allem klimatisierten Verkaufsflächen.

Am stärksten spürbar war dieser Rückgang in den Großstädten. Am schlechtesten schnitt London mit einem Minus von 5,3 Prozent ab. Der Grund liegt auf der Hand: Das Pendeln in überhitzten U-Bahnen und Zügen war für viele Menschen schlichtweg unzumutbar. Während England insgesamt einen Rückgang von drei Prozent verzeichnete, stiegen die Zahlen in Schottland und Nordirland dagegen leicht an.

Vertreter von Handelsverbänden bestätigen, dass die Hitzewelle vor allem die Haupteinkaufsstraßen hart getroffen hat. Das Pendeln erwies sich als so unattraktiv, dass ein großer Teil der Kunden und Passanten den Aufenthalt im Freien weitgehend vermied.

Der Wechsel zum Online-Einkauf

Statt durch überhitzte Straßen zu schlendern, entschieden sich die Verbraucher für das bequeme Einkaufen von zu Hause aus dem Internet heraus. Dieser Trend schlug sich unmittelbar in den Wirtschaftsergebnissen führender Einzelhändler nieder.

Der Modekonzern Next etwa musste seine Gewinnprognosen in diesem Jahr bereits zum dritten Mal nach oben korrigieren. Dahinter steckt ein überraschend starker digitaler Absatz von Partnermarken wie Gap, Reiss und Joules, der die Einbußen aus den leeren stationären Filialen während der Hitzewelle vollständig ausgleichen konnte.

Nicht jede Branche litt jedoch unter dem Wetter. Supermärkte und Elektronikhändler erlebten einen regelrechten Ansturm. Kunden kauften in großen Mengen gekühlte Lebensmittel, Getränke, Tischventilatoren und Klimaanlagen. Am anderen Ende der Skala standen Möbelhändler und Gartenpflanzenverkäufer, deren Umsätze aufgrund der anhaltenden Trockenheit und der allgemein steigenden Lebenshaltungskosten deutlich einbrachen.

Der Klimawandel bringt immer häufiger extreme Wetterereignisse nach Großbritannien. Händler sind daher gezwungen, erhebliche Summen in moderne Kühlsysteme zu investieren, um ihre Filialen betriebsfähig zu halten. Experten aus dem Einzelhandel warnen jedoch vor einem paradoxen Problem: Das bestehende Steuersystem bestraft Immobilieneigentümer für genau diese notwendigen technologischen Investitionen durch höhere Abgaben – und das erhöht den Druck, die britische Steuerpolitik umgehend zu überdenken.

Author

  • Markus Steiner ist ein österreichischer Autor mit Interesse an Haushalt, Garten und cleveren Alltagstipps. Er teilt nützliche Ratschläge und inspirierende Ideen für ein komfortables Zuhause.

Scroll to Top