Ein günstiger Preis allein reicht nicht aus
Ein verlockendes Preisschild am Autohändler garantiert noch lange kein gutes Geschäft. Bevor Sie einen Kaufvertrag für einen Gebrauchtwagen unterschreiben, sollten Sie versteckte Risiken wie vernachlässigte Wartung oder bevorstehende teure Reparaturen im Blick behalten. Der erfahrene Fahrzeuginspektor Jussi Ruuhinen verrät seine bewährten Methoden, damit Sie beim Kauf nicht auf die Nase fallen.
Während die meisten Käufer bei Gebrauchtwagen vor allem auf Marke, Kaufpreis und Tachostand achten, offenbart der tatsächliche technische Zustand eines Fahrzeugs oft ganz andere Details. Die Grundlage eines erfolgreichen Fahrzeugkaufs ist stets eine gründliche Prüfung der Fahrzeughistorie.
Interessenten sollten sich besonders auf den Motortyp und die vollständige Servicehistorie konzentrieren. Hat das Auto eine frische Hauptuntersuchung, einen nachweislich regelmäßigen Ölwechsel und steht kein kostspieliger Zahnriemen- oder Steuerkettenwechsel unmittelbar bevor, ist es laut Ruuhinen eine deutlich sicherere Investition.
Ein hoher Kilometerstand muss keine Katastrophe sein
Viele Käufer begehen den Fehler, Fahrzeuge mit hoher Laufleistung automatisch abzulehnen. In der Praxis kann ein Wagen mit vielen gefahrenen Kilometern jedoch eine weitaus vernünftigere Wahl sein als ein sogenannter Garagenwagen mit minimalem Kilometerstand.
Ein Auto, das trotz hoher Laufleistung weiterhin aktiv genutzt wird, beweist schlicht seine langfristige Zuverlässigkeit. Viele teure Verschleißteile hat in diesem Fall höchstwahrscheinlich bereits der Vorbesitzer ersetzen lassen.
Ein weitaus größeres Warnsignal ist dagegen ein häufiger Besitzerwechsel in kurzer Zeit. „Wenn ein Auto dreißig Vorbesitzer hatte, deutet das in der Regel auf ein verstecktes und sehr kostspieliges technisches Problem hin“, warnt Jussi Ruuhinen. Vor der endgültigen Entscheidung lohnt es sich deshalb immer, einen detaillierten Fahrzeughistorienbericht einzuholen.
Auch ein früherer Unfallschaden muss Sie nicht zwingend abschrecken. Wurde die Reparatur nach dem Unfall fachgerecht durchgeführt, kann das Fahrzeug laut dem Experten genauso sicher genutzt werden wie ein unfallfreies Auto.
Unauffällige Details können den Betrieb unerwartet verteuern
Es sind nicht immer schwere Motorschäden, die das Haushaltsbudget belasten. Selbst scheinbare Kleinigkeiten können nach dem Kauf schnell teuer werden. Positionen wie Sicherheitsgurte, Bremsbeläge oder Scheinwerfer kosten oft deutlich mehr, als der durchschnittliche Autofahrer erwartet.
Der Austausch eines einzelnen Sicherheitsgurts kann sich je nach Fahrzeugmodell auf eine Summe zwischen 200 und 500 Euro belaufen. Ein zu stark verschlissener oder ausgefranster Gurt führt dabei sofort zum Nichtbestehen der Hauptuntersuchung, warnt der langjährige Inspektor.
Bei der Fahrzeugwahl muss man außerdem die eigenen Prioritäten klar definieren, denn ein absolut fehlerfreies Auto gibt es schlicht nicht. Ruuhinen fasst das gerne mit einem treffenden Vergleich zusammen: Das perfekte Traumauto müsste die Sicherheit eines Volvo, den riesigen Kofferraum eines Škoda und die unschlagbare Technik eines Toyota vereinen – doch ein solches Fahrzeug existiert auf dem Markt nicht.
Käufer müssen daher vorab festlegen, ob ihnen niedriger Kraftstoffverbrauch, ein großer Kofferraum, maximaler Komfort auf langen Strecken oder die allgemeine Betriebszuverlässigkeit am wichtigsten ist.
Während der eigentlichen Besichtigung beim Händler ist es äußerst wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren. Zeigen Sie dem Verkäufer niemals, wie begeistert Sie von einem bestimmten Fahrzeug sind. Sobald er merkt, dass Sie sich bereits fest entschieden haben, verschlechtert das Ihre Verhandlungsposition bei einem möglichen Preisnachlass erheblich.
Für Fahrer, die sich technisch weniger gut auskennen, können erweiterte Garantieverträge eine sinnvolle Absicherung darstellen. Hier ist es jedoch unbedingt erforderlich, die Vertragsbedingungen sorgfältig zu lesen. Häufig deckt die Garantie nämlich Verschleißteile nicht ab, wie etwa abgenutzte Reifen oder Bremsbeläge.
Sollten unmittelbar nach der Vertragsunterzeichnung unerwartete Probleme oder versteckte Mängel auftauchen, haben Verbraucher stets das Recht, sich an die zuständigen Verbraucherschutzbehörden zu wenden, die ihnen bei der Orientierung in Sachen Reklamation weiterhelfen können.










