Große Drosselung des Internetverkehrs: KI verschlingt das Web und Verleger zahlen dafür

Die digitale Inhaltswelt steht unter enormem Druck

Das Online-Publishing-Umfeld sieht sich völlig neuen Herausforderungen gegenüber. Moderne automatisierte Systeme verändern grundlegend, wie Informationen zu uns gelangen. Die Spielregeln auf großen Plattformen werden ständig neu geschrieben – und das zwingt Webseitenbetreiber, ernsthaft zu kalkulieren, ob sich Investitionen in dieses Ökosystem noch lohnen. Selbst kleinste Abweichungen im Klickverhalten der Nutzer können für Google-abhängige Seiten existenzbedrohende Folgen haben.

Aktuelle Messdaten zeigen einen beunruhigenden Trend. Wenn eine Suchmaschine eine KI-generierte Zusammenfassung anzeigt, klicken Nutzer in lediglich acht Prozent der Fälle auf einen klassischen Link. Fehlt diese intelligente Zusammenfassung hingegen, schnellt die Klickrate sofort auf 15 Prozent hoch. Besonders ernüchternd: Links, die direkt in diesen generierten Texten eingebettet sind, interessieren die Besucher kaum – sie erzielen gerade einmal ein Prozent der tatsächlichen Klicks.

Der Aufstieg intelligenter Übersichten ist dabei nur ein Puzzlestück in der gewaltigen Transformation des gesamten Internets. Soziale Netzwerke leiten deutlich weniger Besucher nach außen weiter als früher, und die Gewohnheiten bei der Suche haben sich unwiederbringlich verändert. Verleger kämpfen außerdem seit Jahren mit einem geschwächten digitalen Werbemarkt.

Der Einbruch bei organischen Suchanfragen ist bei einigen großen Medienhäusern geradezu abgrundtief. Viele führende Nachrichtenportale haben in den vergangenen Jahren mehr als die Hälfte ihrer regelmäßigen Suchmaschinenbesucher verloren. Für Content-Ersteller ist das ein kritischer Schlag, denn echte Leser auf der Website generieren Werbeeinblendungen, kaufen Abonnements und bilden eine stabile Leserbasis.

Verleger stehen vor einer grundlegenden Entscheidung

Webseitenbetreiber haben kürzlich völlig neue Steuerungswerkzeuge für ihren Inhalt erhalten. Mit der flächendeckenden Einführung von Bedienelementen für generative Funktionen entstand ein wichtiges Dilemma. Eigene Texte lassen sich nun unkompliziert aus intelligenten Zusammenfassungen ausschließen, ohne dass die Platzierung in herkömmlichen Suchergebnissen darunter leidet.

Der Haken dabei: Wer sich für diesen Schritt entscheidet, schneidet sich automatisch von potenziellen Klicks ab und von dem neuen Traffic, den diese modernen Funktionen theoretisch bringen könnten. Bis zu einem kürzlichen Update hatten Ersteller praktisch keine Möglichkeit, traditionelle und generative Suche voneinander zu trennen.

Das Training von Sprachmodellen wird überdies völlig separat gehandhabt. Über spezifische Einstellungen lässt sich zwar die Nutzung eigener Daten für das Training künftiger Algorithmen untersagen – diese Wahl hat jedoch keinerlei Auswirkung auf die Sichtbarkeit in der normalen Suche. Webseitenbetreiber müssen sich daher immer häufiger fragen, nicht nur ob sie überhaupt sichtbar sein möchten, sondern vor allem welche Form digitaler Sichtbarkeit sie noch akzeptieren können.

Wenn Daten-Robots Unternehmensbudgets leersaugen

Der Rückgang von Suchmaschinenbesuchen ist leider nur eine Seite der Medaille. Die andere ist der massive Ansturm automatisierter Systeme, die kontinuierlich Texte abernten. Aktuelle Analysen des Netzwerkverkehrs zeigen, dass Bots bereits mehr als die Hälfte aller Internetanfragen ausmachen. Obwohl ein Großteil davon nicht direkt mit KI zusammenhängt, können spezifische Datensammler Server extrem belasten.

Ein großes Portal für Entwicklerdokumentation stellte kürzlich fest, wie ein einziger Robot in einem einzigen Monat unglaubliche 73 Terabyte komprimierter Daten herunterlud – davon zehn Terabyte an einem einzigen Tag. Diese extreme Aktivität verursachte Datentransferkosten in Höhe von Tausenden von Dollar, bevor der Bot schließlich gesperrt wurde. Es stellte sich heraus, dass der Sammler aufgrund eines technischen Fehlers dieselben Dateien immer wieder herunterlud, völlig ohne Rücksicht auf Übertragungsoptimierung.

Ein ähnliches Szenario erlebte ein beliebtes Portal mit Anleitungen zur Elektronikreparatur, das innerhalb von nur 24 Stunden fast eine Million Anfragen von einem einzigen intelligenten Robot verzeichnete. Für kleinere und mittlere Websites wird das automatisierte Datensammeln damit zu einem erheblichen Betriebskostenfaktor. Es fallen nicht nur Kosten für unnötig verbrauchte Bandbreite an, sondern auch für die wertvolle Zeit von IT-Spezialisten, die die Infrastruktur schützen müssen.

Gewöhnliche menschliche Gespräche haben den Wert von Gold erlangt

Texte, die Nutzer ursprünglich nur zum gegenseitigen Meinungsaustausch verfassten, sind plötzlich zu einer hochlukrativen Ware für KI-Entwickler geworden. Große Diskussionsplattformen beherbergen Jahrzehnte wertvoller Ratschläge, technischer Verfahren, spezifischen Fachjargons und informeller Debatten. Genau diese Art von Inhalt ist ideal, um Systeme zu verfeinern, die menschliche Sprache fließend verarbeiten sollen.

Es ist daher kaum verwunderlich, dass Technologieführer mit Forenbetreibern riesige Lizenzverträge im Wert von Dutzenden Millionen Dollar jährlich abschließen. Diese neue Realität hat außerdem Marketer aufhorchen lassen, die das enorme Potenzial für verdeckte Werbung erkannt haben.

Es wurden bereits Fälle dokumentiert, in denen Unternehmen gezielt PR-Botschaften in medizinischen Fachgemeinschaften platzierten. Das Ziel war eindeutig – sie wollten Erwähnungen ihrer Produkte direkt in Trainingsdaten einschleusen, damit Chatbots diese der breiten Öffentlichkeit später empfehlen. Moderatoren mussten sofort mit strikten Verboten reagieren. Die Motivation zu ähnlicher Manipulation bleibt jedoch bestehen, da eine frühzeitig platzierte Erwähnung die künftigen Antworten von KI maßgeblich beeinflussen kann.

Finanzströme ändern unwiderruflich ihre Richtung

Die aktuelle Revolution formt das gesamte Internet unwiderruflich um. Die Art, wie wir Inhalte erstellen, teilen und vor allem konsumieren, verändert sich grundlegend. Immer häufiger taucht dabei eine sehr rationale Befürchtung auf: Diejenigen, die die ursprüngliche harte Arbeit leisten, profitieren davon nicht mehr angemessen.

Qualitativ hochwertige Redaktionen müssen weiterhin ihre Journalisten bezahlen. Fachportale kommen nicht ohne Programmierer aus, und starke Communitys funktionieren nur dank Enthusiasten, die Zeit für Antworten aufwenden. Technologiekonzerne schöpfen dieses gesamte Material jedoch auf eine Art aus, die Leser nicht mehr zur Quelle zurückführt. Die Anfrage wird direkt oben auf der Seite beantwortet, ein riesiges Modell erhält das Wissen kostenlos, und Archive mit Nutzerdiskussionen werden schlicht weiterverkauft.

Die Reaktionen der Verleger sind bislang sehr vorsichtig und vielfältig. Manche nutzen die neuen Möglichkeiten und verbergen ihre Seiten vor modernen Funktionen, andere versuchen aggressive Datensammler direkt zu blockieren. Plattformen voller nutzergenerierter Texte wählen hingegen den Weg lukrativer Verträge und monetarisieren ihre Daten bereitwillig.

Auch wenn Suchmaschinen und intelligente Tools weiterhin einen gewissen Anteil an Besuchern auf Seiten leiten werden, ist offensichtlich: Die überwältigende Mehrheit der Suchanfragen wird bald mit keinem einzigen Klick enden. Und wenn dem Nutzer kein Grund gegeben wird, die originale Website direkt zu besuchen, werden die Bruchteile der durch Werbung generierten Einnahmen nie mehr zu denen zurückfließen, die die Information mit so viel Mühe geschaffen haben.

Author

  • Markus Steiner ist ein österreichischer Autor mit Interesse an Haushalt, Garten und cleveren Alltagstipps. Er teilt nützliche Ratschläge und inspirierende Ideen für ein komfortables Zuhause.

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