Diebe schlugen in wenigen Minuten zu und flohen mit wertvollen Renaissance-Schätzen

Ein Raub in zwei Minuten erschüttert die Kunstwelt

Am 15. August verschwanden vier seltene Werke des Renaissance-Meisters Antonello da Messina aus dem Museo Regionale Accascina in Messina. Zu den gestohlenen Objekten zählen drei erhaltene Teile des berühmten Polyptychons des Heiligen Gregor sowie eine kleinere beidseitige Ritualtafel. Kunstexperten schätzen den historischen und marktwirtschaftlichen Wert dieser Meisterwerke auf 70 bis 80 Millionen Euro.

Den Tätern gelang es, alle fünf noch verbliebenen Tafeln des Polyptychons abzumontieren – doch zwei davon ließen sie beim Fluchten vor dem Gebäude zurück. Ermittler gehen davon aus, dass ein gut koordiniertes Team von mindestens vier Personen hinter dem Raub steckt. Während zwei von ihnen draußen Wache hielten, drangen die anderen beiden in die Ausstellungsräume ein. Der eigentliche Diebstahl im Inneren des Gebäudes dauerte unglaubliche zwei Minuten.

Ein Feiertag als perfekte Ablenkung

Der Zeitpunkt des Überfalls war alles andere als zufällig gewählt. Die Täter schlugen während des Ferragosto zu, einem der bedeutendsten italienischen Staatsfeiertage. Tausende von Einwohnern nahmen zu dieser Zeit an der traditionellen Vara-Prozession teil, was bedeutete, dass die örtlichen Sicherheitskräfte vollständig ausgelastet waren und die Menschenmassen in einem anderen Stadtteil beaufsichtigten.

Kameraaufzeichnungen bestätigten, dass zum Zeitpunkt des Vorfalls vier Wachmänner im Gebäude Dienst hatten. Die elektronischen Sicherheitssysteme funktionieren einwandfrei und lösten sofort Alarm aus. Doch dann kam es zu einem fatalen menschlichen Versagen: Ein Mitarbeiter schaltete die Sirenen manuell ab, weil er überzeugt war, es handele sich lediglich um einen Fehlalarm.

Grundlegende Überprüfung der Sicherheitsprotokolle

Die Ermittler versuchen nun intensiv herauszufinden, wie die Diebe ein gesichertes Objekt in so kurzer Zeit durchqueren konnten. Detektive analysieren stundenlang Aufnahmen von Überwachungskameras rund um das Museum. Besonderes Augenmerk liegt auf Aufnahmen der Vortage, die Hinweise darauf geben könnten, ob die Gruppe das Gelände im Voraus ausgekundschaftet hat.

Eine entscheidende Rolle bei den laufenden Ermittlungen spielt auch die digitale Spur. Fahnder werten Mobilfunkdaten von Sendemasten in unmittelbarer Museumsnähe aus. Ziel ist es, neue Geräte zu isolieren, die sich genau während des kritischen zweiminütigen Zeitfensters ins Netz eingewählt haben – ein Ansatz, der dabei helfen könnte, die Drahtzieher der gesamten Operation zu identifizieren.

Am Tatort konnten Techniker mehrere physische Spuren sichern, die die flüchtenden Verdächtigen hinterlassen hatten. Obwohl bislang keine endgültigen Schlussfolgerungen gezogen wurden, prüfen die Staatsanwälte alle denkbaren Szenarien. Die Ermittlungen reichen von Verbindungen zur organisierten Kriminalität bis hin zu möglicher Komplizenschaft aus den eigenen Reihen des Museums.

Besondere Aufmerksamkeit der Detektive gilt einem bestimmten Mitglied des Sicherheitspersonals, dessen erste Aussagen auffällige Widersprüche zur genauen Ereignisabfolge aufweisen. Trotz dieses Verdachts wurde bislang noch keine offizielle Anklage gegen ihn erhoben.

Ein gründliches Verwaltungsaudit der Regionalbehörden kam zu dem Ergebnis, dass die technische Sicherheitsausstattung einwandfrei funktionierte. Das Versagen lag ausschließlich bei der Einhaltung vorgeschriebener Sicherheitsprotokolle durch das Personal. Alle vier Wachmänner wurden umgehend vom Dienst suspendiert; über mögliche Disziplinarmaßnahmen wird nach Eingang der Abschlussberichte der Museumsleitung entschieden.

Ein Werk von 1473, das Jahrhunderte überdauerte

Das Polyptychon des Heiligen Gregor ist seit mehr als fünfhundert Jahren eng mit der Geschichte Messinas verbunden. Historische Archive belegen, dass dieses außergewöhnliche Werk im Jahr 1473 fertiggestellt und signiert wurde. Es entstand ursprünglich als sechsteiliger Holzaltar im Auftrag von Fabria Cirino, der Vorsteherin des Klosters Santa Maria extra moenia.

Die raffinierte Komposition zeigte traditionell die Madonna mit dem Jesuskind in der Mitte, flankiert von den verehrten Heiligen Gregor und Benedikt. Die übrigen Tafeln schmückten intime Verkündigungsszenen. Der ursprüngliche Zierrahmen und das obere Mittelpanel – das vermutlich Engel mit dem toten Christus darstellte – sind bereits lange vor diesem Ereignis verloren gegangen.

Das künstlerische Erbe dieser Region hat im Laufe der Generationen schwere Verwüstungen erlitten. Das verheerende Erdbeben von 1908 ebnete große Teile der Stadt ein und verwandelte unzählige historische Denkmäler in Trümmer. Die heutige Museumssammlung wurde zu einem wesentlichen Teil aus diesen geretteten Fragmenten zusammengetragen und diente als Zufluchtsort für Kunst, die ihre ursprüngliche Heimat verloren hatte.

Die Kulturerbeaufzeichnungen verweisen auf eine besonders schmerzliche Tatsache. Dieses Polyptychon war das letzte erhaltene Werk Antonellos, das sich noch in seiner Geburtsstadt befand. Sein plötzliches Verschwinden stellt einen tiefen Verlust für das kollektive Gedächtnis dar, der weit über jede finanzielle Bewertung hinausgeht. Die gestohlenen Tafeln bildeten einen wichtigen Anker für eine Gemeinschaft, die immer wieder darum kämpfte, die Fragmente ihrer eigenen Vergangenheit zu bewahren.

Author

  • Markus Steiner ist ein österreichischer Autor mit Interesse an Haushalt, Garten und cleveren Alltagstipps. Er teilt nützliche Ratschläge und inspirierende Ideen für ein komfortables Zuhause.

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