Eine umstrittene Immobilienliste sorgt für Aufruhr
Die Veröffentlichung einer umfangreichen Immobilienliste hat massive Zweifel daran ausgelöst, nach welchen Kriterien die potenziell steuerpflichtigen Objekte überhaupt ausgewählt wurden. Die zuständigen Behörden beruhigen die Öffentlichkeit jedoch: Allein die Aufnahme in diese Datenbank begründe noch keine automatische Steuerpflicht.
New York stellte am 24. Juli ein ergänzendes Immobilienregister vor. Dieser Schritt ist ein zentrales Element der Vorbereitungen zur Einführung einer Zusatzsteuer, die auf bestimmte Wohnimmobilien abzielt, die nicht als Hauptwohnsitz genutzt werden. Das erklärte Ziel ist es, zusätzliche Mittel in die Stadtkasse zu spülen.
Die zuständigen Behörden betonen ausdrücklich, dass die aktuelle Liste lediglich einen groben Entwurf darstellt und keineswegs als endgültig zu betrachten ist. Alle Eigentümer von Häusern oder Wohnungen werden zunächst einer eingehenden behördlichen Prüfung unterzogen, bevor ein endgültiges Urteil über eine mögliche Besteuerung ihres Eigentums fällt.
Die Datenbank enthält eine überraschend hohe Anzahl an Einträgen
Eine aktuelle Analyse hat ergeben, dass in das vorläufige Stadtregister mehr als 960.000 Einträge zu Immobilien und deren Eigentümern aufgenommen wurden. Diese enorme Zahl übertrifft sämtliche früheren Prognosen bei Weitem. Ursprünglich war man davon ausgegangen, dass die neue finanzielle Belastung letztlich nur rund 31.000 Objekte treffen würde.
Es stellte sich heraus, dass die veröffentlichte Liste keineswegs nur luxuriöse Wochenendresidenzen oder teure Zweitwohnungen enthält, mit denen diese Abgabe üblicherweise in Verbindung gebracht wird. Ganz im Gegenteil: Auch deutlich erschwinglichere Häuser in Randbezirken der Bronx oder Staten Islands tauchten darin auf – und sogar das Einkaufszentrum Breezy Point in Queens fand sich in der Liste wieder.
Diese unerwarteten Entdeckungen werfen berechtigte Fragen zur Methodik der ursprünglichen Auswahl auf. Viele Gebäude gelangten offenbar nur deshalb in das Register, weil der Verwaltungsapparat den Filterprozess noch nicht abgeschlossen hatte. Stadtvertreter betonen daher wiederholt, dass eine bloße Aufnahme in die Liste nicht automatisch zur Entstehung einer Steuerpflicht führt.
Eine derart gigantische Datenbank wird voraussichtlich eine wahre Flut von Widersprüchen auslösen. Es ist zu erwarten, dass Eigentümer massenhaft Einspruch erheben werden – mit dem Argument, es handle sich um ihren Hauptwohnsitz, sie unterschritten die festgelegte Einkommensgrenze oder hätten Anspruch auf eine bestimmte Ausnahmeregelung. Jeder einzelne Einwand muss vor der endgültigen Steuerfestsetzung sorgfältig geprüft werden.
Prominente Namen erregen Aufsehen
Ein genauerer Blick in die Daten zeigt, dass auch eine Reihe bekannter Persönlichkeiten in den vorläufigen Tabellen auftaucht. Darunter befinden sich etwa die Schauspielerin und politische Aktivistin Cynthia Nixon, Modezarin Anna Wintour, Popstar Taylor Swift sowie die renommierten Filmemacher Darren Aronofsky und Woody Allen.
Die Präsenz dieser globalen Stars lenkte sofort die breite öffentliche Aufmerksamkeit auf ein Dokument, das ansonsten wohl nur eine Handvoll Immobilienmakler und Beamte interessiert hätte. Gleichzeitig verdeutlicht dies eindrücklich, wie außerordentlich weitmaschig die Behörden in der ersten Phase ihrer Markterfassung vorgegangen sind.
Besonders aufschlussreich ist dabei der politische Subtext dieser Situation. Cynthia Nixon hatte in der Vergangenheit öffentlich Bürgermeister Zohran Mamdani unterstützt. Ebenso machte die Meldung die Runde, dass Anna Wintour First Lady Rama Duwaji offen mit Lob bedacht und ihr ausdrücklich ihre Bewunderung ausgesprochen hatte.
Diese Macht- und Gesellschaftsverflechtungen verleihen dem gesamten Fall eine völlig neue Dynamik. Die Steuerinitiative selbst ist eng mit Mamdanis Bestreben verknüpft, die Haushaltseinnahmen massiv auf Kosten der wohlhabendsten Eigentümer lukrativer Immobilien zu steigern.
Stadtratsmitglieder stellen behördliche Verfahren in Frage
Stadträtin Gale Brewer hehlte nicht mit ihrer tiefen Empörung, als sie feststellte, dass auch ihr Reihenhaus am Upper West Side auf der Liste steht. Ihrer Aussage nach handle es sich dabei um eine völlig absurde Situation, da es sich um ihren langjährigen Hauptwohnsitz handele. Sie gab an, seit 1994 täglich in ihrem Zuhause zu leben – das gesamte administrative Konstrukt müsse daher zwangsläufig voller Fehler stecken.
Ihre Beschwerde illustriert treffend die Verwirrung, die entstehen wird, wenn Behörden echte Zweitwohnungen von bürokratischen Irrtümern trennen müssen. Gleichzeitig wirft dies einen erheblichen Schatten des Zweifels auf die Qualität der Vorbereitungsarbeiten – noch bevor die Liste überhaupt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.
In einer ähnlich unangenehmen Lage befindet sich auch der Minderheitenführer im Stadtrat, David Carr. Seine Privatwohnung auf Staten Island wurde ebenfalls unverständlicherweise in das System aufgenommen. Die Veröffentlichung sensibler Adressen und Eigentümernamen bezeichnete er umgehend als ausgesprochen leichtfertig und höchst unverantwortlich.
Carrs scharfe Kritik richtete sich nicht nur gegen die fehlerhafte Erfassung der Objekte selbst, sondern vor allem gegen den Umstand, dass die Behörde persönliche Daten freigab, bevor sie Ordnung in ihre eigenen Prozesse gebracht hatte. Die Erlebnisse beider betroffenen Politiker verstärken die berechtigte Sorge, dass das erste Raster Hunderttausende Menschen durchgelassen hat, für die die neue Pflicht letztlich gar nicht gedacht ist.
Finanzielle Schätzungen bleiben ungewiss
Eine Analyse des Büros von Stadtkontrolleur Mark Levine versuchte, den potenziellen Ertrag auf Grundlage erwarteter Steuersätze und Marktwerte der Immobilien zu berechnen. Das grobe Modell ergab, dass die Zusatzsteuer der Stadtkasse theoretisch knapp 500 Millionen Dollar jährlich einbringen könnte.
Erfahrene Ökonomen warnen jedoch im gleichen Atemzug, dass es sich dabei eher um eine überschlägige mathematische Rechnung als um gesichertes Geld handelt. Der tatsächliche Ertrag wird stark davon abhängen, wie viele Immobilien das strenge Raster am Ende passieren, wie die genehmigten Ausnahmeregelungen greifen und wie die Eigentümer selbst auf die neue Belastung reagieren.
Als langfristig vermietete Wohnungen und mögliche Verhaltensänderungen von Immobilieninvestoren in die Berechnung einbezogen wurden, korrigierte das Kontrollbüro seine Erwartungen nach unten. Ein realistischerer jährlicher Nettoertrag könnte sich demnach irgendwo im Bereich von 340 bis 380 Millionen Dollar bewegen.
Diese gewaltige Lücke zwischen der ursprünglichen Grobschätzung und den revidierten Zahlen zeigt deutlich, wie unsicher die tatsächlichen wirtschaftlichen Auswirkungen der gesamten Reform sind. Langwierige Widerspruchsverfahren, notwendige Korrekturen fehlerhafter Einträge oder strategische Ummeldungen des Hauptwohnsitzes könnten den endgültig eingenommenen Betrag noch erheblich weiter nach unten drücken.










