Der Schimmelpilz, der Sie von innen befällt, breitet sich durch die Erwärmung weltweit aus

Von nützlichem Zersetzer zum natürlichen Feind

Bei jedem Atemzug nehmen wir unwissentlich unsichtbare Pilzsporen in unseren Körper auf. Das Immunsystem bewältigt diese Eindringlinge in den meisten Fällen mühelos. Doch eine besonders heimtückische Gruppe, angeführt von der Gattung Aspergillus, überwindet diese natürliche Abwehr immer erfolgreicher. Eine wärmere, feuchtere und schadstoffgesättigte Welt schafft dafür geradezu ideale Bedingungen.

Ohne Pilze und Schimmelpilze wäre das Leben auf der Erde schlicht nicht möglich. Sie übernehmen die Rolle eines perfekten natürlichen Aufräumdienstes — sie zersetzen abgestorbene Pflanzen und Tierkörper und wandeln sie in wertvolle Nährstoffe um. Ohne sie würden Wälder binnen weniger Jahre unter einer Schicht verrottender Biomasse verschwinden.

Diese unverzichtbare ökologische Funktion hat jedoch auch eine dunkle Seite. Bestimmte Arten, insbesondere jene der Gattung Aspergillus, können direkt in der menschlichen Lunge auskeimen und ihre Fäden in das Gefäßsystem sowie lebenswichtige Organe ausdehnen. Fachleute bezeichnen diesen Zustand als invasive Aspergillose — eine außerordentlich schwere Infektion, bei der die Sterblichkeitsrate 50 Prozent übersteigt, wenn die eingesetzten Medikamente nicht wirken.

Man kann es sich wie inneres Unkraut vorstellen. Derselbe Organismus, der im Wald gefallenes Laub zersetzt, kann im menschlichen Gewebe verheerende Schäden anrichten und hartnäckig jeder Behandlung trotzen.

Aspergillus versteckt sich praktisch überall — im Boden, in Getreideprodukten, im Hausstaub, in Vogelfedern und auf Korallenresten. Genau dieser außergewöhnlich breite Verbreitungsradius macht ihn so anpassungsfähig. Während er in der Natur eine nützliche Funktion erfüllt, stellt er auf Krankenstationen und landwirtschaftlichen Betrieben eine ernsthafte Bedrohung dar.

Der Klimawandel schreibt die Verbreitungskarte neu

Fachleute haben kürzlich Prognosen zur Ausbreitung der drei gefährlichsten Stämme der Gattung Aspergillus bis zum Ende dieses Jahrhunderts erstellt. Dazu nutzten sie komplexe Klimamodelle und Computersimulationen, die verfolgen, wie weit Sporen unter verschiedenen Klimaszenarien vordringen können.

Ein besonderes Augenmerk galt dem Szenario, in dem die Menschheit weiterhin massiv fossile Brennstoffe verbrennt. In diesem Fall würden weite Teile Europas für diese Pilze deutlich gastfreundlichere Bedingungen bieten:

  • Die für Aspergillus flavus geeignete Fläche könnte in Europa um rund 16 Prozent wachsen.
  • Dies würde für weitere eine Million Menschen ein erhöhtes Infektionsrisiko bedeuten.
  • Aspergillus fumigatus, der Verursacher der meisten invasiven Aspergillosen, könnte sein Verbreitungsgebiet um enorme 77 Prozent ausweiten.
  • Damit würden bis zu neun Millionen weitere Europäer zur gefährdeten Gruppe zählen.

Das Ausmaß dieses Risikos hängt eng mit steigenden Temperaturen, Luftfeuchtigkeit und Wetterkaper zusammen. Intensive Regenfälle, Hitzewellen und Staubstürme begünstigen die Freisetzung von Sporen und deren Transport über weite Strecken erheblich. Extreme Hitze in manchen Teilen Afrikas hindert Pilze paradoxerweise am Überleben, doch andere Regionen der Welt werden für ihre Vermehrung attraktiver als je zuvor.

Die Zahl gefährdeter Patienten wächst

Hand in Hand mit diesem Trend nimmt leider auch die Zahl der Menschen mit geschwächtem Immunsystem zu. Dazu gehören Krebspatienten, Transplantationsempfänger, Menschen mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung sowie jene, die nach einer schweren Grippe oder einer COVID-19-Erkrankung auf Intensivstationen landen. Genau in diesen Fällen kann eine Aspergillus-Infektion einen tödlich schnellen Verlauf nehmen.

Ärzte auf Intensivstationen beobachten bereits heute äußerst hartnäckige Pilzinfektionen bei Patienten, die sich von schweren Viruserkrankungen erholen. Gehäufte Infektionen treten zudem bei umfangreichen Umbauarbeiten in Krankenhäusern oder nach starken Windstürmen auf — in solchen Momenten werden aus alten Wänden, Dächern und Lüftungsschächten riesige Wolken gefährlicher Sporen freigesetzt.

Antimykotika verlieren ihre Wirksamkeit

An der sich verschlechternden Lage tragen wir als Gesellschaft erhebliche Mitverantwortung. Landwirte schützen ihre Felder routinemäßig mit Fungiziden aus der Gruppe der sogenannten Azole. Das Problem dabei: Nahezu identische Wirkstoffe setzen auch Ärzte zur lebensrettenden Behandlung von Aspergillus-Infektionen ein.

Diese unglückliche Doppelnutzung funktioniert wie ein evolutionärer Schnellkurs für Pilze. Der Organismus lernt erstaunlich rasch, diesen Chemikalien zu widerstehen. Das Ergebnis ist, dass Ärzte an immer mehr Orten auf resistente Aspergillus-Mutationen stoßen. Für den infizierten Patienten bedeutet das eingeschränkte Behandlungsmöglichkeiten und ein deutlich erhöhtes Sterberisiko. Alternative Medikamente können Leber und Nieren schwer schädigen, sodass Kliniker oft zwischen zwei schwerwiegenden Schäden abwägen müssen.

Jeder Hektar landwirtschaftlicher Fläche, der mit Azol-Fungiziden behandelt wird, erhöht so indirekt die Wahrscheinlichkeit, dass mutierte und resistente Sporen eines Tages auf einem Krankenhausbett landen.

Der Pilz bedroht die Nahrungskette und Haushaltskassen

Das Problem endet keineswegs hinter den Krankenhaustoren. Aspergillus besiedelt sehr gerne gelagertes Getreide, Mais und Erdnüsse. Einige seiner Arten produzieren dabei Mykotoxine — gefährliche Substanzen, die bei Nutztieren schwere Erkrankungen auslösen und beim Menschen die Entstehung von Leberkrebs begünstigen können. In einem günstigen Jahr für Pilzwachstum kann allein die amerikanische Maisindustrie wegen kontaminierter Ernten Verluste von mehr als einer Milliarde Dollar verbuchen.

Ein wärmeres und feuchteres Klima verlängert die ideale Wachstumsperiode für Pilze — sowohl direkt auf den Feldern als auch in den Lagersilos. Landwirte sind dann gezwungen, drastische Maßnahmen zu ergreifen:

  • wesentlich häufiger ganze Vorräte verdorbenen Getreides zu vernichten,
  • verschiedene Ernten zu mischen, um die Toxinkonzentration unter den zulässigen Grenzwert zu verdünnen,
  • massiv in bessere Kühl-, Belüftungs- und Lagertechnologien zu investieren.

All diese außerordentlichen Ausgaben schlagen sich zwangsläufig in den Ladenpreisen nieder und treffen letztlich den Verbraucher. Gleichzeitig verstärkt dies den Druck zu noch intensiveren Fungizidbehandlungen — was paradoxerweise erneut die Entstehung gefährlicher resistenter Stämme begünstigt.

Weitere Bedrohungen zeichnen sich ab

Aspergillus ist nicht der einzige Krankheitserreger, der sich erfolgreich an das sich wandelnde Klima anpasst. Wärmere Temperaturen begünstigen auch die Gattung Fusarium, die Hafer und andere Getreidesorten befällt. Eine weitere gefürchtete Bedrohung ist Cryptococcus, der vor allem für Personen mit schwer geschädigtem Immunsystem, etwa AIDS-Patienten, eine ernsthafte Gefahr darstellt.

Wissenschaftliche Schätzungen gehen davon aus, dass es auf der Erde zwischen 1,5 und 3,8 Millionen Pilz- und Schimmelpilzarten gibt. Fachlich beschrieben wurden jedoch kaum zehn Prozent davon, und nur ein winziger Bruchteil verfügt über eine vollständig kartierte DNA. Diese enorme Wissenslücke in den grundlegenden biologischen Kenntnissen erschwert die Entwicklung von Impfstoffen oder völlig neuen Medikamententypen immens.

Die Weltgesundheitsorganisation hat die Gattungen Aspergillus und Candida daher auf eine spezielle Liste prioritärer neu auftretender Bedrohungen aufgenommen. Dieser Status soll großzügigere Forschungsfinanzierung, eine gründlichere globale Überwachung und eine deutlich beschleunigte Entwicklung präziserer Diagnosetests ermöglichen.

Ein globales Frühwarnsystem

Fachleute fordern derzeit den Aufbau einer Art weltweitem Warn-Radar. Dieses System würde kontinuierlich Daten aus mehreren Quellen auswerten:

  • Luftqualitätsmessungen zur fortlaufenden Überwachung der Sporenkonzentration im Freien,
  • regelmäßige Probenahmen von Feldern, Kompostanlagen und landwirtschaftlichen Silos,
  • Analyse von Krankenhausdaten zu Infektionsraten und erfassten Resistenzen.

Die Verknüpfung dieser Informationen würde Gesundheitsbehörden einen enormen Vorteil verschaffen. Sie würden sofort wissen, wo resistente Mutationen auftreten, wo eine Überlastung der Bettenkapazitäten droht und welche landwirtschaftlichen Gebiete in eine kritische Zone geraten sind. Eine solche Analytik ist absolut entscheidend für die richtige Ausgestaltung von Spritzvorschriften, die Anpassung von Baunormen für die Lüftungstechnik sowie eine klügere Planung von Krankenhausräumen.

Was sich bereits heute unternehmen lässt

Ein universelles und sofort wirksames Allheilmittel existiert derzeit leider nicht. Eine Kombination mehrerer sinnvoller Maßnahmen kann den angerichteten Schaden jedoch erheblich reduzieren.

Aus individueller Sicht sind Aufklärung und Prävention am wichtigsten. Personen mit Lungenerkrankungen oder geschwächtem Immunsystem sollten schlecht belüftete Keller, feuchte Räume und Räume mit sichtbarem Schimmel an den Wänden konsequent meiden. Wenn nach einem Krankenhausaufenthalt anhaltender Husten, nicht abklingendes Fieber oder Atemnot auftreten, ist es wichtig, den Arzt rechtzeitig auf die Möglichkeit einer Pilzinfektion hinzuweisen.

Warum der Kampf gegen diesen Pilz so schwierig ist

Die Struktur von Pilzen unterscheidet sich grundlegend von der von Viren und Bakterien. Ihre Zellen ähneln in vielerlei Hinsicht gefährlich den menschlichen Zellen. Genau das ist der Grund, warum es so außerordentlich schwierig ist, einen Wirkstoff zu entwickeln, der den Pilz zuverlässig vernichtet, ohne dabei den Patienten selbst schwer zu schädigen. Schimmelpilze bleiben damit einer der am meisten unterschätzten und zugleich komplexesten Gegner der modernen Medizin.

Author

  • Markus Steiner ist ein österreichischer Autor mit Interesse an Haushalt, Garten und cleveren Alltagstipps. Er teilt nützliche Ratschläge und inspirierende Ideen für ein komfortables Zuhause.

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